Britta Lang

Was mich da geritten hat

In Zürich fielen mir einst Kühe auf. Und ein paar Jahre später Bären. Sie standen fast an jeder Ecke und obwohl sie sich alle in Form und Größe und Material komplett glichen – waren sie doch alle verschieden. Denn eines jeden Bären oder Kuh hatte sich ein Künstler angenommen und hatte ihn oder sie auf seine ganz eigene Weise bearbeitet: bemalt, bedruckt, beklebt, besprüht oder sogar angezogen. So dass aus dem immer gleichen Bären oder Kühen etwa 50 komplett verschiedene Individuen wurden. “Ja, aber die Hälfte von denen sieht doch völlig beknackt und uninteressant aus!”, mäkelte mein Bekannter, mit dem ich unterwegs war. “Trotzdem!”, entgegnete ich. Selbst wenn einige Arbeiten einfach nur das Letzte waren: trotzdem war es interessant. Trotzdem war es interessant, verschiedene Zugangsweisen zu ein und demselben Thema zu sehen. Denn da wurde klar, wie verschieden doch die Künstlermenschenhirne ticken. Abgesehen davon, dass mich die meisten Arbeiten doch beeindruckten.

Und auf der Diagonale das gleiche: 80 Filme habe ich dort gesehen, von Meisterwerk bis Frechheit. Doch auch bei letztgenannten war ich trotz allem auch ein bisschen froh, sie gesehen zu haben. Denn ich hatte eine neue Zugangsweise kennen gelernt. Auch wenn ich sie hasste.

“Da müsste man doch filmmäßig auch mal was machen.”, dachte ich. “Gleiches Thema (bitte nicht zum hundertsten Mal “Liebe”), aber verschiedene Künstler.” (nachdenk)

Und so schrieb ich mir auf der Diagonale in meinen Notizblock:

“Geilo Filmprojekt:
Anhand der 26 Buchstaben (später hinzugefügt: “ä ü ö”)
des Alphabeths plus
von verschiedenen Regiss.
Filme machen lassen
1 Minüter -> 29 Min
2 Minüter -> 58 Min
3 Minüter -> 87 Min
Alles Erlaubt: jeds
Genre, Experimental,
Animation.”

(Aufgrund der Herstellung von Authentizität wurden die durch das eilige Hinschreiben entstandenen Orthographiefehler so belassen wie im Original.)

Und da ich mir dachte, huch, welch unaufwendiges Filmprojekt, zog ich es auch sofort durch und machte mich auf die Suche nach “Meinen 29″. Die erste Behauptung des vorangegangenen Satzes sollte sich jedoch als sehr naiv herausstellen…

Britta Lang
Initiatorin des ABC Projektes